Frühe Kontakte zur Kunst

Diese ersten Kontakte zur Kunst und die Begegnung mit Malern und Dichtern im Elternhaus prägten Wolfsbauer-Schönau und vermittelten ihm schon früh ein Gefühl für künstlerische Vollziehung und für künstlerische Qualität. So war es unausbleiblich, dass der junge Hans die Malerei für sich entdeckte. Der Künstler erinnerte sich: „Ich habe schon sehr früh zu malen und zeichnen begonnen. Als Gymnasiast führte ich ein ,Tagebuch in Bildern’, in dem ich meine täglichen Eindrücke nicht mit dem Medium der Sprache, sondern mit dem Zeichenstift festhielt.“ Hans war körperlich gut gebaut und äußerst kräftig. Diese fast „körperliche Kraft in der Malerei“ sollte Jahre später ein Charakteristikum von Hans Wolfsbauer-Schönaus Kunst werden.

Architekt und Maler

Neben seiner Tätigkeit als Architekt zeichnete Hans Wolfsbauer-Schönau ständig. Unter diesen frühen Arbeiten sind Skizzen, Portraits, Stillleben und zahlreiche Karikaturen, die zum Großteil verschollen sind. Die Karikatur entsprach besonders dem humorvollen Wesen wie auch der Fähigkeit des Malers, mit wenigen sparsamen Strichen eine Person oder Situation charakteristisch darzustellen, die auch des Humors nicht entbehrte.

Frank Lloyd Wright, den amerikanischen Architekten und Erbauer des Guggenheim Museums in New York, achtete Wolfsbauer-Schönau seit jeher als Berufskollegen sehr ob der modernen Konzeption seiner „organischen“, in die Landschaft integrierten Architektur und zollte dem berühmten Architekten als Maler im Gemälde „Dächer nach Frank Lloyd Wright“ eine aufrichtige Hommage.

Wolfsbauer-Schönau schätzte die Ideen und Arbeiten des Architekten, Malers und Bildhauers Le Corbusier, dessen berühmter Wallfahrtskirche „Notre Dame-du-Haut in Ronchamp“ er ein plastisches Gemälde widmete. „Architektur ist das weise, richtige und wundervolle Spiel der Körper unter dem Licht“, schrieb Le Corbusier. Wolfsbauer-Schönau war in seiner Kunst ein ewig Suchender nach dem ,wundervollen Spiel’ von Farben, Formen und Licht. Er hat, wie er selbst von sich sagte, „mit Ölfarben gezeichnet, so wie andere mit Kohle oder Bleistift zeichnen“. Die Liebe zum Detail, die er aus der Architektur naturgemäß mitbrachte, vereinte sich in seiner Kunst mit dem Blick auf das große Ganze.

Die Plastische Malerei

Wolfsbauer-Schönau gilt als einer der Begründer der „plastischen Malerei“, in der durch die Verwendung neuer Materialien plastische bzw. dreidimensionale Gemälde entstanden.

Der Künstler hatte in der seiner ersten Einzelausstellung – einer Großausstellung mit dem Titel „Welt und Weltall“, 1977 im Kongresshaus in Innsbruck –, die von 10.000 Besuchern gesehen wurde, erfolgreich neue, von ihm eigens entwickelte Malverfahren – den „Stereoismus“ und die „Plastische Malerei“ – vorgestellt. Der Maler war am allgemeinen Kunstgeschehen seiner Zeit sehr interessiert. Er beobachtete die vielfältigen Äußerungen der so genannten Modernen Kunst, experimentierte mit verschiedenen Malverfahren und eignete sich als Autodidakt klassische wie moderne Maltechniken an. Immer aber ließ er eigenständige und neue Überlegungen in seine Werke einfließen und besaß schon damals einen eigenwilligen, nicht akademisch gebändigten Strich, der seine künstlerisch unverkennbare Handschrift ausmachte.

1977 war ein äußerst produktives Jahr, in dem der Künstler zahlreiche Ölgemäde schuf, die von einer authentischen „Schaffenswut“ zeugten wie auch von einer inneren, tiefen und befreienden Überzeugung des Malers, nach langem Kampf „seinen Weg“ gefunden zu haben. Es entstehen pastose Ölgemälde von ungeheurer Kraft, Ansichten von Salzburg, der Côte d’Azur und zahlreiche plastische Gemälde wie „Spiralnebel“, „Sonnenkorona“ oder das großformatige „Fressen und gefressen werden“.

Immer eigene Wege gegangen

Hans Wolfsbauer-Schönau fühlte sich keiner „Stilrichtung“ verpflichtet: „Ich bin immer Wege gegangen abseits modischer Tendenzen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mir irgendwie ein gewisses ‚Ziel‘ gesetzt habe, sondern ich habe meinen Stil immer verfeinert und verbessert und mich nie nach dem ‚Zeitgeist‘ gerichtet.

Zunächst arbeitete ich expressionistisch, und im Laufe der Jahre an einer weiteren Verfeinerung des Expressionismus. Das Ganze ist entstanden wie in einem Garten, wo alles langsam wächst. Ich kann nicht sagen, dass ich gleich so gemalt habe wie jetzt. Ich habe ja mit dem 8. Lebensjahr zu zeichnen und zu malen begonnen. Da bin ich in den Bergen und in den Wäldern umhergestrichen und habe mir die Motive angeschaut, habe mir bei einem Wasserfall überlegt, wie man Wasser darstellen kann. Das alles habe ich in die Seele aufgenommen, und heute gebe ich es wieder. Es ist eine ‚gereifte Kunst‘, die durch Jahrzehnte erst ‚gewachsen‘ ist.

Die Architektur- und Ölgrafik

Die Grafik ist in der bildenden Kunst die Kunst des Augenblicks. Jeder Strich vermittelt in seiner Spontanität und Ursprünglichkeit – mehr als in jedem Ölgemälde – die Handschrift des Künstlers. Wolfsbauer-Schönau ist in seinen „gezeichneten Bildern“ eine einzigartige Verbindung von Grafik und Ölmalerei eingegangen. In der Architektur- und Ölgrafik ist Hans Wolfsbauer-Schönau ein Monolith. Sein Werk gibt Einblick in seine Meisterschaft.

Der Künstler erklärt dies selbst: „Ich habe den sicheren Blick für das Wesentliche, und als Architekt konnte ich in der Malerei meine Material- und Konstruktionskenntnisse gut verwenden. Die Darstellung ,gewachsener Architektur’ in Verbindung mit dem Zeitgeist – unter Einbringung eigener Ideen – hat mich immer interessiert. Architektur und Malerei sind eine Einheit für mich. Wir haben in unserem Land wunderbare Motive, und als Künstler bräuchte man drei Leben statt eines, diese darzustellen.

Salzburg, die Salzburger Festspiele, das Land Salzburg und seine Menschen

„Salzburg ist eine wahre ,Kunststadt’ mit herrlicher Architektur und Umgebung und besitzt eine besondere Ausstrahlung. Österreich ist für mich eines der schönsten Länder der Welt, es hat mich immer inspiriert.“ sagte der Künstler. Als Architekt und Maler ist Wolfsbauer-Schönau in gleichem Maße von Salzburg eingenommen. So stilisiert ein Brunnen oder so flüchtig die Ansicht der Kuppeln und Dächer der Salzburger Altstadt auch hingeworfen scheinen, immer stimmen die Proportionen, die das geschulte Auge des Architekten und Malers verinnerlicht hat.

Künstlerischen Abschluss und gleichzeitigen Höhepunkt der Salzburg gewidmeten Werke von Hans Wolfsbauer-Schönau bilden 2004, ein Jahr vor seinem Tod, die modernen, zu höchster Reife gewachsenen Darstellungen des Mirabellgartens, die großflächig mit starken, kräftigen Farben und einem offenen, mediterranen Himmel angelegt sind, der an die Weite der Bilder der italienischen Renaissance erinnert.

Die Salzburger Festspiele, die Musik, das Schauspiel und die großen Sänger und Schauspieler, die in Salzburg auftraten, waren Wolfsbauer-Schönau Inspiration für zahlreiche Werke. Wie in der Mozart‘schen Musik finden sich in Wolfsbauer-Schönaus Schwarz-Weiß-Grafiken scharfe Kontraste zwischen Hell und Dunkel, zwischen Licht und Schatten. Die sensible Behandlung von Licht und Schatten und die daraus resultierende Zeitlosigkeit, ja Ewigkeit des Dargestellten erinnern an Rembrandt.

Er malte den „Jedermann“ mit Will Quadflieg und den von Helmuth Lohner. Der Tod auf diesem Bild ist Peter Simonischek, und er trägt gleichzeitig die verklärten und gütigen Züge des Künstlers im Alter selbst. Den ungestümen Ausbruch der ganzen Verzweiflung des Spinat fressenden und blutüberströmten „Woyzeck“ von Georg Büchner verewigte Wolfsbauer-Schönau in einem plastischen Gemälde von großer Expressivität. Die „Festspielmasken“ malte er in zwei Versionen, wobei jene aus dem Jahre 2003 neben einer lachenden und einer traurigen auch eine Maske mit undurchdringlichen Zügen zeigt. Die legendäre Produktion von Giuseppe Verdis „Macbeth“ in der Felsenreitschule setzte der Künstler in einer monochromen Version und einer grafisch strukturierten Auffassung mit starken Farben um. Verdi selbst hatte ganz präzise Angaben gemacht, dass er mit jeder seiner Opern eine bestimmte „Farbe“ assoziierte. Wolfsbauer-Schönau hatte eine Antenne und ein Gefühl für „die Farben der Musik“.

Dem Land Salzburg und seinen Menschen trug Wolfsbauer-Schönau in zahlreichen Landschaftsgemälden und Grafiken Rechnung wie auch in figurativen Darstellungen der Salzburger Bauern ihrem arbeitsamen Leben und ihrem Brauchtum. Gemälde und Grafiken wie „Bergmahd auf steilen Hängen“, „Holzfäller“, „Im Dorf“, „Bauer mit Enkel“, „Der Hias“ und „In der Dorfschank“ gehören zu dieser Gruppe. Den geliebten Gegenden von Bad Gastein mit dem „Malerwinkel“ und dem Wallersee, wo der Künstler gerne in Henndorf, auf der Marieninsel und in Straßwalchen den Sommer verbrachte, sind stimmungsvolle Grafiken gewidmet. Der Wallersee ist ein eiszeitlicher, äußerst malerischer See, dessen Ruhe und wunderschöne Morgen- und Abendstimmungen den Künstler zu zahlreichen Ölgrafiken inspirieren.

Motive aus dem Alpenraum als Kunstmotiv

Von Tirol aus machte der Maler gemeinsam mit seiner Frau Gertraud viele Streifzüge durch die Nord- und Südtiroler Berge, durch das Tessin und die Gegend um den Lago Maggiore. Unzählige Grafiken mit Motiven aus dem Alpenraum sind daraus entstanden.

Zahlreiche Ausstellungen waren in den 80er und 90er Jahren in Nord- und Südtirol der Architektur des Alpenraumes gewidmet. Es entstanden in diesen Jahren expressive Städte- und Landschaftsgrafiken und Gemälde aus Tirol mit Ansichten von Kufstein, Kitzbühel, Mayrhofen, Rattenberg, Hall in Tirol, Innsbruck und dem Gebiet um den Brenner.

Grafiken und Gemälde sind auch dem dem Raum Südtirol –Trentino, den Dolomiten, Bozen, Meran, dem Kalterer See und dem nördlichen Teil des Gardasees gewidmet. Von besonderem Interesse sind auch Arbeiten über das durch einen Brand zerstörte Bergdorf Planeil, das in den Werken des Künstlers in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben ist.

Den Menschen, die die Berge bewohnen, widmete Wolfsbauer-Schönau charakteristische Portraits in ihrer traditionellen Tracht und Darstellungen der mühsamen Arbeit der Bergbauern und ihres Brauchtums.

Die Explosion der Farbe

Eine Italienreise, die den Künstler bis nach Nordafrika führte, prägte ihn tief und führte ihn zur Begegnung mit der Farbe, die zu einem wahren Farbenrausch wurde und einen intensiven Gebrauch der Farbe in der Malerei zur Folge hatte. Kritiker bescheinigten Wolfsbauer- Schönau sofort die Wirkung der Farbe in seinem Werk und betitelten Rezensionen mit „Ein Maler lehrt Lebenskunst und Glücklichsein“. Die Farbe wurde fortan in seiner Malerei zu einem wichtigen Gestaltungs- und Kompositionselement. „Das Betrachten des Farbigen kann überhaupt nicht geschehen, ohne in das Seelische heraufgehoben zu werden ... Das Ich selber ist in der Farbe drinnen“, äußerte sich der Anthroposoph Rudolf Steiner über das Erleben der Farben für den Menschen. Wolfsbauer-Schönau schlägt in dieselbe Kerbe, wenn er sagt: „Die Kraft und Lebensfreude, die in meinen Bildern zum Ausdruck kommt, habe ich in mir. Das ist für mich das Um und Auf. Ich verwende gerne satte Farben, nicht nur die Primärfarben, Rot, Blau, Gelb, sondern auch die Komplementärfarben Grün, Orange und Violett. Wenn man die beiden mischt, kann man sie wunderbar kraftvoll nebeneinander setzen. Die Bilder müssen eine positive Stimmung verbreiten. Sie zeigen die Kraft der Individualität.

Die „Kompositionstechnik“

Grafisch, modern und reduziert, mit wenigen Strichen in klarer, geometrischer Unterteilung in Weiß-Orange ist die Darstellung der „Festung mit Untersberg“ aus dem Jahre 2003. Über seine neue „Kompositionstechnik“, in der zur gleichen Zeit auch zahlreiche moderne Stillleben entstehen, schreibt Wolfsbauer-Schönau: „Ein Bild soll stets Realität eigener Gesetzlichkeit sein. Nicht das real Dargestellte ist wichtig, sondern die ,Komposition’, das heißt die Gegenüberstellung von Flächen, Linien und Farben. Charakteristische Bestandteile des Motivs werden als ,Kompositionselemente’ verwendet. Die Farbe wird vollkommen von der Zeichnung getrennt, das ergibt Bewegung und intensive Dynamik. Farbige oder weiße Bänder, aber auch die Polychromie des Grundes erhöhen die Kontrastwirkung. Beim Betrachter fördert dies das kreative Denken. Es war immer mein Bestreben, Neues in die Kunst einfließen zu lassen.“ So tragen diese letzten Werke des Künstlers erneut eine unverkennbare Handschrift, sind gleichsam „komponiert“ – im Strich kraftvoll und sparsam, werden Raum, Struktur und Farbe zu einer Einheit.